Die Sache mit den Kastraten…
Zucht bedeutet, Verpaarungen so zu planen, dass die Kinder besser (oder zumindest nicht schlechter) sind als die Elterntiere. Das gilt für Wesensmerkmale genauso wie für die Gesundheit und Feinheiten im Rassestandard/Erscheinungsbild. Jeder Wurf in einer Zucht zielt daher darauf ab, zumindest ein Katzenkind für die nächste Generation im Genpool zu behalten.
Ich denke, man kann sich vorstellen, dass bei einer sinnvoll betriebenen Zucht schon nach kurzer Zeit – sobald man nämlich das erhoffte Jungtier hat und die Eltern damit ersetzt – die Anzahl der kastrierten Katzen im Haushalt zu explodieren droht. Und mit der Zunahme der Kastraten nehmen dann auch die Streitigkeiten rascht zu. Potente Tiere und Kastraten zusammen zu halten ist ein Balanceakt der eher selten gelingt. Meistens sind die rangniedrigen Kastraten die Mobbingopfer ihrer früheren Mitkatzen, Gefauche und Kratzer dann bald keine Seltenheit mehr.
Auch steigt mit der Anzahl der Katzen der Infektionsdruck auf die Babies dramatisch an. Katzen sind von der Evolution nicht für ein Leben in großen Rudeln ausgestattet. Ihr Verhalten sieht keine überaus stabile Rangordnung vor, ihr Immunsystem kommt nicht lange mit einem Overload an Keimen zurecht.
Droht dies, hat man als Züchter mehrere Möglichkeiten:
1. Man hört rechtzeitig mit der Zucht auf.
2. Man verabschiedet sich von der Absicht, junge Tiere zu behalten und zuzukaufen, betreibt also keine wirkliche Zucht mehr.
3. Man behält seine Kastraten, züchtet weiter und läuft spätestens, wenn man selbst einmal kurz krank wird, Gefahr, nicht mehr für die Katzenschar sorgen zu können.
4. Man trennt sich schweren Herzens von seinen Liebsten.
Letztlich bleiben Abgabe von Kastraten an Liebhaberplätze oder das Ende der Zucht als annehmbare Lösung über.
Man sucht ihnen also ein zu Hause das ihren Bedüfnissen gerecht wird (schließlich kennt man sie weitaus besser als die Kitten, bringen die meisten doch mehrere Jahre und nicht nur 12 Wochen beim Züchter zu) und lebt damit, sich anhören zu müssen, wie herzlos dies doch sei. Offensichtlich, wofür ich mich entschieden habe, auch wenn es mir immer erneut das Herz bricht…
